Was ist ein Kelim?

Das Wort Kelim für Flachgewebe oder Teppich ohne geknüpften Flor ist in verschiedenen Variationen (Gelim, Kilim, Kylym) von Nordosteuropa über den Balkan bis zum östlichen Mittelmeeraum, der Türkei, Iran und Zentralasien zu finden.

Im Iran werden Kelims von Nomaden, Halbnomaden und in manchen Gebieten von der ländlichen Bevölkerung vorwiegend für den persönlichen und familiären Gebrauch hergestellt und finden als Bodenbelag, Wandbehang, Kissen, Aufbewahrungsbehälter, Tragtaschen und Tierdecken Verwendung.

 

Zeugnisse einer einzigartigen Kultur

In der nomadischen und bäuerlichen Kultur nahmen die gewebten Teppiche und Textilien eine wichtige Stellung ein, da diese Flachgewebe ein Hauptbestandteil der Mitgift der Braut war. Die Qualität der Mitgift wiederum war ein wichtiger Indikator für Rang und Stellung einer Familie.

Jeder handgewebte Kelim hat seine eigene, individuelle Geschichte

 

Über Generationen hinweg haben die Weberinnen der verschiedenen Nomadenstämme die überlieferten Muster und Motive variiert und auf diese Weise weitergegeben, sodass jedes gewebte Exemplar ein einzigartiges Original darstellt. Seit Jahrzehnten geht jedoch im Iran die Existenz der Nomaden zurück, und damit auch die Produktion an Kelims für den Eigengebrauch. Die heutigen, häufig maschinell hergestellten Kelims, die oft nur mehr sinnentleert und losgelöst von ihrer Tradition die überlieferten Muster nachahmen, können es kaum mit der Besonderheit der klassischen Exemplare aufnehmen.

 

Feine Farbpaletten aus pflanzlichen und mineralischen Farbstoffen

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ausschließlich mit Farbstoffen pflanzlicher, tierischer und mineralischer Herkunft gearbeitet. Nomaden- und Halbnomadenstämme gewannen ihre Färbemittel aus eigenen Farbrezepten vor allem aus Kräutern, Blumen, Wurzeln und Früchten ihrer Weideländer. In Dörfern und Städten brachte man die Wolle zu Berufsfärbern.

Aber selbst Volksstämme, die in Wüsten und unfruchtbaren Gegenden angesiedelt waren, und sich keine von Händlern angebotenen Pigmente leisten konnten wie etwa die Belutschen, entwickelten feine Farbpaletten. Sie kombinierten die verschiedensten Nuancen ungefärbter Wolle. Mit dem Weiß, Creme und Braun der Schafwolle, den Brauntönen vom Kamelhaar, sowie der grauen und schwarzen Wolle ihrer Ziegen erreichten sie subtil gefärbte Textilien.

 

Anilin als Färbemittel

Die erst um 1850 in England synthetisch hergestellte Farbe war ein violetter Farbton. Bald danach wurde in Labors eine große Palette an sogenannten Anilinfarben entwickelt. Anilinfarben kamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt, um den Färbungsprozess zu beschleunigen, was in der Teppich- und Kelimproduktion den Einsatz zahlreicher, nicht immer harmonisch abgestimmter Farben zur Folge hatte. Anilin hatte meist eine grelle Farbwirkung und verblasste schnell, da es nicht licht- und waschecht war. Zudem trocknete es die Wolle aus, was wiederum zum Bruch der Wollfaser führen konnte. 1903 wurde in Persien die Anwendung und der Import von Anilin verboten.

 

Einsatz von chemischen und natürlichen Farben

Die seit den 1960er Jahren verwendeten chemischen Farben sind bezüglich Haltbarkeit und Farbqualität kaum von den Naturfarben zu unterscheiden. Die Weberinnen der Nomadenstämme und der regionalen Bevölkerung verwendeten nach wie vor natürliche Färbemittel für die Grundfarben – Rot, Blau, usw. und eventuell synthetische Farben für Farbtöne, die mit natürlichen Mitteln schwierig herzustellen waren bzw. um die Farbpalette zu erweitern. In den heutigen Teppich- und Kelimmanufakturen wird üblicherweise eine Mischung von synthetischen Farben und Naturfarben verwendet.